Heinz

Ich weiß zwar nicht, wie Heinz wirklich heißt, aber ich finde, der Name passt ganz gut. Außerdem kenne ich keinen Heinz, der mir die Verwendung dieses Namens übel nehmen würde oder bei dem mir das was ausmachen würde. Heinz ist mir also heute vor dem Bahnhof in Münster begegnet. Wegen ihm bin ich, statt durch die mittlere Eingangstür, durch die ich eigentlich gehen wollte, durch die rechte gegangen. Dahinter wartete eine Rentnergruppe darauf, mich nicht durchzulassen. Bingo! Heinz war schneller an der Treppe zu Gleis 2a als ich. Von Gleis 3 strömten gerade sämtliche Fahrgäste des Zuges aus Warburg die Treppe herunter, so dass ich hinter Heinz bleiben musste. So ging das dann weiter. Im Zug hätte ich beinahe keinen Sitzplatz mehr gekriegt, weil Heinz mit seiner karierten Fahrradtasche, die natürlich diese fiesen Gepäckträgerhaken dran hat, im Gang stehen geblieben ist, um sich seinen Platz auszusuchen. Glücklicherweise musste ich dann nicht neben ihm sitzen.
Heinz ist Mitte 40, breit gebaut, trägt einen grauen Strickpullover, eine schwarze Lederjacke und eine schwarze Mütze. Wie er von vorne aussieht, weiß ich nicht. Er riecht nicht nicht unangenehm, ist nicht ungepflegt oder hässlich. Heinz steht einfach nur im Weg rum. Oder läuft langsam. Jedenfalls wäre ich fast ausgerastet, als ich beim Aussteigen aus dem Zug beinahe zwischen Zug und Bahnsteig gefallen wäre, weil Heinz stehen geblieben ist, um sich zu akklimatisieren, oder so. Dass sich meine Zähne nicht rückwärts ins Zahnfleisch gebohrt haben, war wahrscheinlich pures Glück. Wenn Heinz mir noch mal begegnen sollte, werde ich mich wieder beherrschen und versuchen, ihm vorausschauend auszuweichen – ich glaube aber, dass mir das nicht gelingen wird.
(Bild: Mohamad Saman)
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